Unsere Räder in Kyllburg. Photo · RK

Wer im Liegetrike sitzt, sieht die Welt ein Stück tiefer als der Wanderer und der „normale" Aufrecht-Radfahrer. Der Sitz liegt eine Handbreit über dem Asphalt, die Beine zeigen stramm nach vorn. Die Arme liegen nicht auf dem Lenker, sondern man fasst ihn links und rechts der Hüfte — ermüdungsfrei. Die Perspektive ist nicht nur eine Sache der Geometrie — sie verändert die Aufmerksamkeit. Drei Räder geben Standsicherheit, die ein klassisches Fahrrad nicht hat: Wir können an roten Ampeln sitzen bleiben, an steilen Anfahrten ohne Absteigen sehr langsam fahren, während der Fahrt Wasser trinken.

Was wir treiben, ist Sport — aber kein Wettkampf. Unsere Touren durch die Eifel dauern ein bis fünf Stunden, am Ende stehen zwanzig bis hundert Kilometer auf dem Tacho. Wir kommen nicht erschöpft an, sondern erfrischt — Mensch und Landschaft finden zusammen, die Anstrengung bleibt dosiert, der Atem im Takt.

Schneller als ein Wanderer, langsamer als ein Auto. Genau dazwischen liegt das Tempo, in dem eine Landschaft sich beobachten lässt.

Das Tempo öffnet die Sinne. Wir hören den Wind in den Bäumen, den Bach unter der Brücke, das eigene Reifenrollen. Wir riechen das frisch gemähte Gras und den Diesel des überholenden Traktors. Wir sehen die Vulkaneifel mit ihren Maaren, Wäldern und alten Bahntrassen. Es ist eine Landschaft, die wir vom Auto aus immer durchquert haben, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Auf dem Trike wird sie zum Gegenstand.

Eine Tour ist selten still. Carola und ich sind über Helmfunk verbunden und können über lange Distanzen ruhig plaudern. In größerer Gruppe ist der Helmfunk zudem ein relevantes Sicherheits-Plus. So wird die Tour zur fahrenden Unterhaltung. Manche unserer schönsten Gespräche entstehen auf Strecken, die weder eilig noch ehrgeizig sind.

Was bleibt, ist eine eigentümliche Form der Aufmerksamkeit — nicht die des Sportlers, der seine Zeit unterbietet, nicht die des Spaziergängers, der schlendert, sondern eine dritte: Fahren, in dem Bewegung, Wahrnehmung und Gespräch zugleich Platz haben. Wenn das eine Form der Entspannung ist, dann eine sehr aktive.

Blick über die Eifel bei Steffeln. Mai 2026. Photo · RK