Was das Auge findet, wenn die Blende ehrlich bleibt.
Eine Bildstrecke ohne Inszenierung, ohne Korrektur — die mehr findet als sucht.
Es gibt zwei Welten, durch die ein Mensch im Laufe der Jahre wandert: Die alte, vertraute, in der man aufwächst und wohnt, und die neue, fremde, in der man zu Besuch ist. In meiner Fotobibliothek liegen beide nebeneinander. Was sie verbindet, ist nicht das Motiv, nicht der Ort und nicht die Zeit, sondern die Haltung dahinter.
Diese Haltung heißt in der Photographie available light: Man arbeitet ausschließlich mit dem Licht, das da ist — kein Blitz, keine zugesetzte Lampe, keine Inszenierung. Was sich abbilden lässt, lässt sich abbilden; was nicht, bleibt unsichtbar. Das klingt nach Bescheidenheit, ist aber das Gegenteil: Eine Wette darauf, dass das Vorhandene reicht, wenn man genau hinsieht. Es ist die Verwandtschaft zur Inspektion in der ärztlichen Praxis — dem ersten, ungestützten Blick, mit dem man feststellt, was sich zeigt, bevor man Apparate dazwischen schaltet.
Die Bildauswahl ist weder chronologisch noch geografisch geordnet, sondern nach der Frage, wo das Licht der Aufnahme treu geblieben ist. Was Sie sehen, ist kein Reisebericht — es ist eine Sammlung von Augen-Blicken.